Was ist eine Brass Band?

Entstanden ist die Brass Band-Musik, wie sie die St. Stephan Brass Band pflegt, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien. Seither hat sie sich international verbreitet und ist in zahlreichen Ländern (vor allem den Benelux-Staaten, der Schweiz, Norwegen und Australien) fest im kulturellen Leben verankert. Deutschland ist im Vergleich dazu ein Nachzügler (die St. Stephan Brass Band ist mit Gründungsjahr 1972 eine der ältesten Bands des Landes), aber in jüngster Zeit hat auch hier die Entwicklung einer Brass Band-Szene Fahrt aufgenommen, was sich in einer wachsenden Zahl von Bands ebenso zeigt wie in der Etablierung von zweijährlich stattfindenden Deutschen Meisterschaften, an denen in mehreren Stärkeklassen die besten Bands gekürt werden. So entdecken auch hierzulande immer mehr Menschen als Musizierende oder Zuhörer den Reiz dieser Musikrichtung.

Verantwortlich für diesen Reiz sind (neben dem vielseitigen Repertoire) sicher die besonderen klanglichen Möglichkeiten einer Brass Band. Sie haben ihre Grundlage in der einheitlichen Instrumentierung: Eine Brass Band in voller Besetzung besteht immer aus insgesamt 28-29 MusikerInnen (davon 3-4 PerkussionistInnen), die insgesamt 10 unterschiedliche Blechblasinstrumente spielen, welche alle ihre besondere Rolle im Gesamtensemble zu erfüllen haben.


Das Fundament der Band bilden vier Tuben, wobei die zwei Bb-Tuben die tiefste (Kontra-)Basslage abdecken, während die zwei Eb-Tuben (eine Quarte höher in ihrer Grundstimmung) in der Höhe flexibler sind und häufiger Solopassagen im tiefsten Register übernehmen. In gewisser Weise ist im Klang der Tuben schon die ganze Band enthalten: in ihren Obertönen schwingen auch die höheren Lagen mit. Um einen homogenen Tuttiklang zu erreichen, müssen sich die anderen Instrumente deshalb möglichst gut in den Klang der Tuben einfügen.


Eine Oktave über der Bb-Tuba in der Tenorlage haben die beiden Euphonien eine Schlüsselposition in der Band inne. Mit ihrem vollen, weichen Klang (Euphonium = griech. „das Wohlklingende“) und ihrem großen Tonumfang können sie ebenso die Bässe unterstützen, wie sie auch für lyrische Melodien und virtuose Solopassagen prädestiniert sind. In diesem Sinne haben sie eine ähnliche Funktion wie die Celli in einem Symphonieorchester.


Ergänzt werden die Euphonien durch zwei Baritone. Diese spielen in der gleichen Lage, haben aber einen etwas helleren Klang und sind damit ein wichtiges klangliches Bindeglied zum Horn- und Posaunensatz.


Die Posaunen haben in einer Brass Band eine spezielle Rolle, und zwar weniger deshalb, weil sie die Tonhöhe nicht mit Ventilen sondern mit einem Zug verändern, sondern weil sie als einziges Instrument ein weitgehend zylindrisches Rohr besitzen. Alle anderen Instrumente der Band haben ein mehr (z.B. Euphonium) oder weniger (z.B. Cornet) ausgeprägt konisches Rohr, das sich kontinuierlich weitet. Dieser Unterschied in der Bauweise ist der Grund dafür, dass man die charakteristische scharfe und direkte Klangfarbe der Posaunen auch aus dem Tutti stets gut heraushören kann, während die anderen Stimmen stark verschmelzen. Damit verleihen sie dem Klang der Band eine gewisse unverzichtbare „Würze“. Der Posaunensatz besteht dabei aus zwei Tenorposaunen und einer Bassposaune, die mit ihrem typischen sonoren Klang die Tuben in der Basslage unterstützt.


Informationen zu den Instrumenten der Alt- und Sopranlage (Hörner, Cornets) sowie zur Perkussion folgen in Kürze.